Tichys Einblick
Staudamm über Nacht

Wenn Biber schneller bauen als Behörden

Die Verwaltung eines Naturschutzgebiets in Tschechien plant einen Staudamm. Der ist Teil eines Renaturierungsprojekts, hängt aber seit Jahren im behördlichen Genehmigungsverfahren fest. Jetzt plötzlich ist er fertig. Aber es sind nicht Menschen, die ihn gebaut haben.

picture alliance / All Canada Photos | Robert McGouey

Bohumil Fiser wollte seinen Augen nicht trauen. Als der Verwaltungsleiter des Naturschutzgebiets bei Brdy in Tschechien seine wöchentliche Kontrollfahrt machte, entdeckte er plötzlich einen Staudamm.

Der war eine Woche vorher noch nicht da.

Die Überraschung des Beamten ist doppelt verständlich, denn der Damm hat eine lange bürokratische Vorgeschichte. Auf dem Gebiet befand sich einst ein Militärstützpunkt. Zu dessen Entwässerung hatten Soldaten einen großen künstlichen Graben gebuddelt. Damals erfüllte der seinen Zweck, doch heute trocknete das wertvolle Biotop seinetwegen aus.

Vor Jahren schon wollte die Verwaltung des Naturschutzgebiets deshalb ein Renaturierungsprojekt in Angriff nehmen: Ein Staudamm sollte her. Der Staat wollte dafür 30 Millionen Kronen springen lassen, umgerechnet etwa 1,2 Millionen Euro. Aber wie das so ist mit öffentlichen Bauvorhaben: Die Planung stockte. Die bewilligten Mittel konnten nicht fließen, weil irgendein Amt immer noch irgendeine Nachfrage hatte. Oder irgendwelche Bedenken. Oder beides.

So ging seit Jahren nichts voran. Das wurde einer Biberfamilie im Naturschutzgebiet offenbar zu dumm. Die aus acht Tieren bestehende Nager-Kolonie nahm die Dinge jetzt in die eigenen Hände bzw. zwischen die eigenen Zähne.

Was die Menschen mit ihrer Verwaltung in fünf Jahren nicht geschafft hatten, erledigten die Biber nun in weniger als fünf Nächten: Sie errichteten ein paar Dämme und gleich noch ein paar Teiche – genauso, wie es die Umweltverwaltung geplant hatte. Und alles ohne Bauantrag, ohne Ausschreibung und ohne Budgetüberschreitung.

Bohumil Fiser kann sein Glück kaum fassen: „Die Biber haben genau das gemacht, was wir in mühseliger Bürokratie geplant hatten.“ Die neu entstandenen Feuchtwiesen werden jetzt Heimat für bedrohte Krebs- und Froscharten. „Biber wissen immer, wo es richtig ist, einen Damm zu bauen“, sagt Jaroslav Obermajer von der Naturschutzbehörde. „Jede noch so detaillierte Planung kann nicht mithalten mit dem Instinkt dieser Tiere.“

Und schnell sind sie auch noch.

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