Tichys Einblick
Gut für Konzerne, schlecht für Bauern

Warum die EU uns mit Insekten füttern will

Die Europäische Union erlaubt die Beimischung von Insektenlarven-Mehl in bestimmten Lebensmitteln. Viele Menschen haben hygienische Bedenken, manche kulinarische, manche ekeln sich einfach nur. Doch das alles verstellt den Blick auf die Politik dahinter.

IMAGO - Collage: TE

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Manchmal sieht man nur die kleinen Dinge und übersieht die großen. Wir kommen sofort darauf zurück.

Die Europäische Union hat wieder eine ihrer beliebten Verordnungen erlassen. Demnach dürfen ab sofort verschiedenen Lebensmitteln auch Insektenarten beigemischt werden: ins Mehl, ins Brot, ins Mehrkorngebäck, in sogenanntes „Craft Beer“, in Müsli, in Pizza, in Dosensuppen, in Müsliriegel und in Schokolade.

In bestimmten zubereiteten Fleischwaren sind seit dem 24. Januar 2025 jetzt EU-weit und hochoffiziell auf 100 Gramm Fleisch jeweils fünf (5) Gramm der gemeinen Hausgrille, zerrieben und gemahlen, als Beimischung zugelassen. Im Jahr 2021 hatte die EU schon die Wanderheuschrecke zum Verzehr freigegeben, 2022 dann die Geldmotte (die heißt wirklich so).

Tichys Einblick Talk vom 02.02.2023
Insekten: Ekelessen oder Feinkost?
Inhaltlich ist das Ganze ziemlicher Unfug. Sehr anschaulich und allgemeinverständlich erklärt das der bekannte und renommierte Lebensmittelchemiker Udo Pollmer im TV-Interview bei „Tichys Ausblick“.

Unsere Rinder und Schweine dürfen mit Insekten übrigens nicht gefüttert werden, weil bei uns Rinder- und Schweinefutter keine tierischen Bestandteile enthalten darf. Das ist eine halb lustige, halb beängstigende Erkenntnis aus diesem wirklich sehr interessanten Gespräch: Bei uns kriegt der Verbraucher jetzt direkt als Abendessen vorgesetzt, was als Tierfutter für Rinder und Schweine verboten ist.

Da fragt man sich natürlich: Warum machen die in Brüssel das?

Pollmer hat da eine eigene Theorie. Er betrachtet das alles als ein Verwirrspiel, das anderen Zwecken dient als der Ernährung des Menschen:

„Es geht um Destabilisierung. Wenn die Menschen anfangen, sich davor zu ekeln; wenn sie Angst und Sorge haben – dann kann ich angsterfüllte Menschen leichter steuern und mit tausend Empfehlungen, von denen wir eh schon zu viele haben, noch mehr in die Irre führen.“

Für Pollmer sind Insekten als neues Abendessen also ein weiteres Hilfsmittel für die Eurokraten, um die mitunter ja doch eigenwilligen und wenig folgsamen Bürger gefügiger zu machen und besser kontrollieren zu können. Das muss man natürlich nicht so sehen. Aber man kann auch schlecht übersehen, dass die EU-Unterstützungskampagne für Insekten in Lebensmitteln zwar vielleicht auf den ersten Blick wie ein weiteres kleines Beispiel für den üblichen Brüsseler Wahnsinn wirkt – bei genauerem Hinsehen aber Teil eines wesentlich größeren Puzzles ist.

Das ist der Wald hinter den Bäumen.

Neue Richtlinie
Nur noch EINE Scheibe Wurst pro Tag – dafür mehr Insekten: Der grüne Totalüberwachungsstaat droht
Die EU zentralisiert nach und nach alle wichtigen Bereiche der Lebensvorsorge. Im Sinne von: Brüssel entzieht den Mitgliedsstaaten und auch den Bürgern immer mehr die Souveränität, selbst und dezentral und kleinteilig zu entscheiden.

Das fängt bei der Energie an. Die EU erlässt – übrigens jenseits ihrer vertraglichen Kompetenzen – Vorschriften, die die Mitgliedsstaaten immer stärker bei deren nationalen souveränen Entscheidungen einschränken, welche Energiequellen von welchen Lieferanten sie nutzen wollen. Gas aus Russland ist igittigitt. Öl aus dem Iran geht auch nicht. Und so weiter, und so fort.

Es geht weiter mit der Mobilität. Brüssel schreibt den Unternehmen vor, welche Antriebstechnologie sie zu produzieren haben – und den Bürgern, welche Fortbewegungsmittel sie sich anschaffen dürfen. Und so weiter, und so fort.

Dann kommt die freie Rede. Mit dem „Gesetz über digitale Dienste“ (Digital Services Act, DSA) hat die EU eine beispiellose Grundlage für die staatliche Überwachung und Zensur von Meinungsäußerungen geschaffen. Und so weiter, und so fort.

Schließlich folgt – sehr wichtig – das Geld. Die Einführung einer digitalen Währung bei gleichzeitiger faktischer Erdrosselung des Bargeldverkehrs schafft eine bisher einzigartige Möglichkeit zur Kontrolle und Bevormundung der Bürger. Wenn Brüssel Ihnen, lieber Leser, irgendwann aus irgendwelchen Gründen das elektronische Konto sperrt: Was machen Sie dann ohne Bargeld? Wie kaufen Sie ein? Wie erwerben Sie eine Fahrkarte zu der Demo, zu der Sie eigentlich wollten? Und so weiter, und so fort.

Die bisher vielleicht bedeutendste Machtausweitung der EU betrifft nun die Ernährung. Denn Insekten sind ein Lebensmittel, das nur zentralistisch und im großen Maßstab verarbeitet werden kann. Es trifft also, schon wieder, Europas Bauern, vor allem die Kleinbauern. Und es trifft die Selbstversorger.

Fleischlose Mogelpackung:
Veganer protestieren gegen Insekten im Essen
Wenn ich einen kleinen Hof mit einem kleinen Grundstück habe, kann ich mir ein paar Hühner und Ziegen halten und etwas Gemüse anbauen. Das reicht zur Selbstversorgung einer kleinen Familie. Wenn ich ein Schwein oder eine Kuh habe, reicht es sogar ganz sicher. In Osteuropa – Bulgarien, Polen, Rumänien, Ungarn – ist diese Form der autonomen Ernährung in vielen Landstrichen bis heute absolut üblich. Auch die Jagd ist übrigens Element einer nicht staatlich kontrollierten Selbstversorgung.

Insekten dagegen kann man nur in großen Mengen züchten. Und nur große Konzerne mit großen Fabriken können sie zu Lebensmitteln verarbeiten. Insekten als Lebensmittel machen Menschen abhängig von zentralistischer Infrastruktur und von großen Produzenten. Die Frage, ob das alles so gewollt ist, wäre ein schönes Thema für einen anderen Text. Hier soll darüber gar nicht spekuliert werden. hier reicht es völlig, die Politik der EU und ihre Folgen zu beschreiben.

Eine unbestreitbare Folge ist, dass die EU gerade ein weiteres Konjunkturprogramm für eine Industrie außerhalb Europas auflegt. Denn die Insektenzucht ist aus vielen, vor allem klimatischen Gründen in Asien und Südamerika viel einfacher und billiger als bei uns. Wenig verwunderlich, hat deshalb auch schon ein Multi aus Thailand erste Importanträge in Brüssel hinterlegt.

Die zweite unbestreitbare Folge ist, dass all die eben beschriebenen Beispiele nur in eine Richtung zeigen: Sie erhöhen die Abhängigkeit des Bürgers von einer zentralistischen Machtstruktur, und sie verringern die Freiheit der Bürger in der EU.

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

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