Ein Bild geht um die Welt: Bei der Amtseinführung von Donald Trump zu seiner zweiten Präsidentschaft sind der US-Präsident, Tech-Größen wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Elon Musk sowie führende Investoren zu sehen. Dieses Bild hat eine hitzige Diskussion ausgelöst – nicht nur über die Personen, sondern über die zunehmende Verschmelzung von Politik, Kapital und Technologie.
Die Risiken dieser Entwicklung werden vielfach beleuchtet. Dennoch sollten wir auch die Chancen diskutieren, die daraus entstehen können. Technologie ist nichts, was überreguliert oder gar ausgebremst werden muss, wie es in Europa oft den Anschein hat. Die Kluft zu den USA wird hierdurch nur verstärkt.
Ein Beispiel dafür ist der AI Act der EU, der strikte Anforderungen an Unternehmen aller Größen stellt – von Risikobewertungen bis hin zu umfassenden Transparenzverpflichtungen. Während die Absicht, den technologischen Fortschritt zu regulieren, lobenswert sein mag, führen diese Regelungen dazu, dass Innovationen behindert und Investoren abgeschreckt werden. Selbst Mario Draghi kritisierte die EU-Regulierungen, die bereits durch die DSGVO kleinen Tech-Unternehmen enorme Kosten aufbürdeten und deren Gewinne um über 15 Prozent reduzierten. Ein prominentes Beispiel ist Meta, das seine leistungsfähigen KI-Modelle wie Llama nicht in Europa auf den Markt bringt – aufgrund der hohen regulatorischen Anforderungen.
Im Gegensatz dazu haben die USA den Übergang von einer Industrienation zu einer Technologienation geschafft wie kein anderes Land. Diese Technologiefreundlichkeit ist ein entscheidender Antrieb für wirtschaftlichen Erfolg und Wohlstand. In Wachstumssektoren wie Defense, Künstliche Intelligenz und Krypto zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich. Doch gerade in Europa werden diese Branchen oft negativ konnotiert. Hier wäre ein Umdenken erforderlich: Statt Technologie als Bedrohung zu sehen, sollte man sie als Chance begreifen.
Symbiotisches Zusammenwirken
Ein Blick auf das Silicon Valley verdeutlicht, wie eine enge Verbindung von Politik, Kapital und Technologie zu beispiellosem Wachstum führen kann. Silicon Valley, das Epizentrum der US-Technologieindustrie, hat eine ökonomische Kraft, die ihresgleichen sucht. Fünf der „Magnificent Seven“-Aktien – Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Nvidia – stammen aus dem Valley. Mit einem Gesamtwert von 14 Billionen Dollar übertrifft das Silicon Valley bei Weitem die gesamte Marktkapitalisierung deutscher börsennotierter Firmen, die bei gut zwei Billionen liegt.
Doch dieser Erfolg ist kein Zufall. Er basiert auf jahrzehntelanger staatlicher Unterstützung für die Technologieentwicklung. Bereits während des Zweiten Weltkriegs flossen massive Investitionen in die Elektronikforschung, was die Grundlage für den technologischen Fortschritt schuf. Die enge Zusammenarbeit zwischen Investoren, Universitäten, militärischen Auftraggebern und Unternehmen ermöglichte es Talenten, Innovationen hervorzubringen.
Europa hingegen leidet unter einem Mangel an Kapital. Start-ups haben oft Schwierigkeiten, die nötigen Mittel für Wachstum und Innovation zu finden. Viele Investitionen in deutsche Tech-Unternehmen kommen nicht aus Europa, sondern aus Nordamerika. US-Pensionsfonds halten heute einen wesentlich größeren Anteil an deutschen Tech-„Unicorns“ als ihre europäischen Pendants.
Eine mögliche Lösung wäre die Öffnung von öffentlichen und privaten Pensionsfonds für Investitionen in Risikokapital, Growth Equity und Private Equity. Dies könnte nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen, sondern auch das wirtschaftliche Ökosystem stärken und den Sparern gleichzeitig höhere Renditen bescheren.
Am Ende bleibt festzuhalten: Eine enge Verbindung von Politik, Kapital und Technologie ist essenziell, um Europa im globalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu halten. Technologie ist nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine Chance – und es liegt an uns, diese zu nutzen.
FLORIAN LEIBERT ist ein deutscher Technologieunternehmer und Investor mit besonderer Expertise in der Entwicklung von Cloud-Infrastruktur. Er ist Co-Gründer und General Partner des Technologieinvestors 468 Capital.
Seine Karriere startete Florian Leibert als einer der ersten Mitarbeiter bei Twitter und Airbnb, wo er jeweils als Technischer Leiter tätig war. Im Jahr 2013 gründete er gemeinsam mit seinen beiden Co-Gründern das Unternehmen Mesosphere in San Francisco. Mesosphere entwickelte ein Datacenter Operating System (DC/OS) mit namhaften Kunden wie NBC-Universal, Deutsche Telekom und Audi. Unter Leiberts Leitung erhielt Mesosphere mehr als 250 Millionen US-Dollar Kapital von führenden Investoren, darunter Andreessen Horowitz, Microsoft und Khosla Ventures. Im Jahr 2019 zog sich Leibert aus der operativen Leitung von Mesosphere zurück. Seit 2020 ist er Co-Gründer und General Partner von 468 Capital, einem führenden Technologieinvestor mit Sitz in Berlin und San Francisco.
Florian Leibert wurde in Schweinfurt, Deutschland, geboren und ist studierter Informatiker.